{"id":171,"date":"2012-08-24T12:36:32","date_gmt":"2012-08-24T11:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=171"},"modified":"2012-08-24T12:36:32","modified_gmt":"2012-08-24T11:36:32","slug":"shuriken-ritsch-ratsch-wuuuuummmmmm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=171","title":{"rendered":"Shuriken &#038; Ritsch-Ratsch-WUUUUUMMMMMM!"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/meinungsterror.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/walo_verboten.gif' alt='walo_verboten.gif' \/><br \/>\nMein erster Videorekorder war so ein Unget\u00c3\u00bcm von Universum, also genau genommen ein Grundig-Ger\u00c3\u00a4t unter Quelle-Hausmarken-Label.  VHS hatte sich damals, Mitte der 80er Jahre, schon weitestgehend gegen die konkurrierenden Systeme durchgesetzt und in fast jedem Kaff gab es eine Videothek, in der man sich gegen ein paar Mark Futter f\u00c3\u00bcrs Abspielger\u00c3\u00a4t ausleihen konnte.<\/p>\n<p>Oft waren das schnell und billig gemachte Actionfilme, die ausschlie\u00c3\u0178lich f\u00c3\u00bcr den Videomarkt produziert wurden. Als Heranwachsender war man da allerdings nicht so w\u00c3\u00a4hlerisch, Hauptsache, es wurde geballtert und\/oder halbwegs gut choreographierte Martial Arts Kampfszenen geboten.<\/p>\n<p>Da st\u00c3\u00b6rte es auch nicht, wenn die Helden oder B\u00c3\u00b6sewichter zehn Meter aus dem Stand springen, aus n\u00c3\u00a4chster N\u00c3\u00a4he abgefeuerten Maschinengewehrsalven ausweichen oder \u00c3\u00bcber 150 Meter zielgenau ihre Wurfsterne ins gegnerische linke Auge werfen konnten. Auch die extrem \u00c3\u00bcbertriebene Schusswaffenwirkung nahm niemand so richtig ernst. Einen auf den Sch\u00c3\u00bctzen zurasenden 40-Tonner durch einen einzigen, gezielten Motorblock-Schuss aus einem .44er Revoler zu stoppen? Oder ein Getroffener, der nach Beschuss mit einer 12er Flinte zehn Meter r\u00c3\u00bcckw\u00c3\u00a4rts durch die Luft fliegt? Okay, da sah zwar cool aus und machte auf einen 16- oder 17-J\u00c3\u00a4hrigen m\u00c3\u00a4chtig viel Eindruck, aber es war klar, dass man da der Physik etwas nachgeholfen hatte. Es war eben Hollywood.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas mit dem .44er und der Pumpflinte konnte man zwar nicht selbst \u00c3\u00bcberpr\u00c3\u00bcfen, aber Wurfsterne waren frei erh\u00c3\u00a4ltlich und konnten im heimischen Garten auspropiert werden. Das Wurfsternwerfen verlor aber schnell seinen Reiz, da die Dinger auch nicht ann\u00c3\u00a4hernd so weit, geschweige denn zielgenau, geworfen werden konnten, wie im Actionfilm vorgemacht. Meistens prallten sie weitab des anvisierten Holzbrettes irgendwo dagegen oder landeten direkt im Gras. Mit jedem popeligen Stahldart lie\u00c3\u0178en sich da pr\u00c3\u00a4zisere und  durchschlagendere Treffer erzielen. Aber beim Shuriken konnte man sich ein bisschen wie ein Super-Kung-Fu-Ninja f\u00c3\u00bchlen, w\u00c3\u00a4hrend ein Dartwurf maximal Assoziationen zum bierseligen Durchschnitts-Engl\u00c3\u00a4nder-beim-Pub-Besuch hervorrief. <\/p>\n<p>\u00c3\u201ehnlich verhielt es sich mit den in zahlreichen Billigfilmen ebenfalls zur Standard-Staffage z\u00c3\u00a4hlenden &#8222;Butterflymessern&#8220;: Das sah unheimlich beeindruckend aus, wie die Akteure diese Schneidwerkzeuge unfallfrei durch ein bischen herumfuchteln \u00c3\u00b6ffnen und schlie\u00c3\u0178en. Das klappte mit etwas \u00c3\u0153bung sogar auch in der Realit\u00c3\u00a4t. Allerdings gibts es mindestens ein halbes Dutzend bessere \u00c3\u2013ffnungsmechanismen f\u00c3\u00bcr Klappmesser, die schneller und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Butterfly-Messer\">weniger umst\u00c3\u00a4ndlich<\/a> funktionieren:<\/p>\n<blockquote><p>In Europa ist es eher un\u00c3\u00bcblich, Messer dieses Typs als Stichwaffe zu verwenden, da ihre korrekte und sichere Handhabung sehr viel \u00c3\u0153bung und K\u00c3\u00b6nnen erfordert. Die meisten \u00c3\u2013ffnungstechniken des Balisongs sind eher auff\u00c3\u00a4llig und bei billigen Modellen deutlich h\u00c3\u00b6rbar. Dadurch werden verdeckte Messerangriffe aus n\u00c3\u00a4chster N\u00c3\u00a4he bei anf\u00c3\u00a4nglich nicht gezogener Klinge erschwert, Einsch\u00c3\u00bcchterungen beim Gegner werden jedoch beg\u00c3\u00bcnstigt. Auch Griff- und Handwechsel durchzuf\u00c3\u00bchren f\u00c3\u00a4llt unge\u00c3\u00bcbten Benutzern sehr schwer. Aufgrund der bei billigen Exemplaren h\u00c3\u00a4ufig sehr mangelhaften Verriegelung ist ein k\u00c3\u00a4mpferisches Zustechen eher schwierig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Darum geht es aber im Medium Film nicht, ein simples Stiletto ist einfach zu schnell f\u00c3\u00bcr sch\u00c3\u00b6ne Bilder. Aus dem gleichen Grund kamen in den B-Movies gerne gek\u00c3\u00bcrzte Vorderschaftrepeteriflinten mit Pistolengriff zum Einsatz. Die w\u00c3\u00a4ren zwar auf Grund der kurzen Magazinr\u00c3\u00b6hre und der fehlenden M\u00c3\u00b6glichkeit eines stabilen Anschlags genau das Gegenteil von zielgerichteter Feuerkraft, aber es sah gut aus und das Ritsch-Ratsch-WUUUUMMMM macht nat\u00c3\u00bcrlich mehr her, als der kurze, kaum wahrnehm- bzw. darstellbare Ladeimpuls einer Selbstladeflinte.<\/p>\n<p>Letzen Endes konsumierte man solche Filme aber nicht, um etwas \u00c3\u00bcber Schusswaffen, Ziel- oder Wundballistik zu lernen, sondern als sinnfreien Zeitvertreib. Den wenigsten Videokonsumenten kam es in den Sinn, die teils haarstr\u00c3\u00a4ubende Spielhandlungen mit einer Dokumentation zu verwechseln.<\/p>\n<p>Der kleinere Teil derer, die das f\u00c3\u00bcr bare M\u00c3\u00bcnze nahmen, f\u00c3\u00a4llt nicht weiter ins Gewicht. Die scheinen sich f\u00c3\u00bcr eine Karriere als Drehbuchautor f\u00c3\u00bcr Serien wie &#8222;Alarm f\u00c3\u00bcr Cobra 11&#8220; und anderen Tinnef entschieden zu haben, in denen man die Tradition der aberwitzigen und v\u00c3\u00b6llig unrealistisch dargestellten Waffen- bzw. Sprengstoffwirkung der B-Movies bis heute fortf\u00c3\u00bchrt.<\/p>\n<p>Irgendwie muss es aber der gro\u00c3\u0178e Teil der 80er-Jahre-Action-Video-Gl\u00c3\u00a4ubigen geschafft haben, zumindestens als Beamter in der Ministerialb\u00c3\u00bcrokratie am deutschen Waffengesetz mitzuarbeiten.<\/p>\n<p>Anders ist es n\u00c3\u00a4mlich nicht zu erkl\u00c3\u00a4ren, weshalb ausgerechnet Wurfstern, Butterflymesser oder kurze Repetierflinten verboten sind. Dieser <a href=\"http:\/\/www.dwj.de\/magazin\/wissen\/details\/items\/ninja-kleiderhaken-in-deutschland-verboten.html\">Verbotsirrsinn umfasst mittlerweile sogar Garderobenhaken<\/a>, die nur aussehen wie Wurfsterne, von der verh\u00c3\u00a4ngnisvollen <a href=\"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=339\">Schlagring-Clutch<\/a> ganz zu schweigen. Diese Gegenst\u00c3\u00a4nde bzw. Waffen sind nicht mehr gef\u00c3\u00a4hrlich als andere, nicht verbotene Dinge auch. Im Gegenteil, eine gesetzeskonforme Repetierflinte verf\u00c3\u00bcgt sogar \u00c3\u00bcber die wesentlich h\u00c3\u00b6here Feuerkraft, als die verbotene, kurze. Auch wird es ein Mordopfer herzlich wenig interessieren, ob die t\u00c3\u00b6dliche Klinge zu einem legalen K\u00c3\u00a4se-, Taschen- oder Fahrtenmesser oder einem b\u00c3\u00b6sen Balisong geh\u00c3\u00b6rte.<\/p>\n<p>Dem Messer ist es genau so egal. Der Typ, der die Klinge f\u00c3\u00bchrt, ist nun mal das Problem.<\/p>\n<p>Wenn Sie also mal einen Menschen treffen, der sich jedesmal dar\u00c3\u00bcber wundert, dass die Japaner trotz ihrer Wunderninjas nicht zumindest die Sprungdisziplinen der Leichathleten dominieren: <\/p>\n<p>Das muss dann so ein 80er-Jahre-Videojunkie sein, der sp\u00c3\u00a4ter am Waffengesetz mitgewirkt hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein erster Videorekorder war so ein Unget\u00c3\u00bcm von Universum, also genau genommen ein Grundig-Ger\u00c3\u00a4t unter Quelle-Hausmarken-Label. VHS hatte sich damals, Mitte der 80er Jahre, schon weitestgehend gegen die konkurrierenden Systeme durchgesetzt und in fast jedem Kaff gab es eine Videothek, in der man sich gegen ein paar Mark Futter f\u00c3\u00bcrs Abspielger\u00c3\u00a4t ausleihen konnte. 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