{"id":491,"date":"2013-02-06T11:19:13","date_gmt":"2013-02-06T10:19:13","guid":{"rendered":"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=491"},"modified":"2013-02-08T06:51:23","modified_gmt":"2013-02-08T05:51:23","slug":"profil-neurose","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=491","title":{"rendered":"profil-Neurose"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/meinungsterror.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/0w_2013_mt_profil_neurose_a.gif' alt='0w_2013_mt_profil_neurose_a.gif' \/><\/p>\n<p>Es ist nur ein sehr schwacher Trost f\u00c3\u00bcr einen Freizeit-Waffenlobbyisten aus Deutschland, dass unsere Freunde in \u00c3\u2013sterreich nicht minder unter hoplophoben Qualit\u00c3\u00a4tsjournalistInnen zu leiden haben. Der &#8222;profil&#8220;-Artikel &#8222;<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.profil.at\/articles\/1306\/560\/351770\/oesterreichs-waffenlobby-schuetzen-traeume#nnwflogroot\">\u00c3\u2013sterreichs Waffenlobby: Sch\u00c3\u00bctzen-tr\u00c3\u00a4ume<\/a>&#8220; ist so ein Musterbeispiel linker Meinungsmache.<\/p>\n<p>In der gewohnten, auch aus den deutschen Medien nur zu gut bekannten, \u00c3\u00bcberheblich-selbstgerechten Leier, garniert mit halbgaren &#8222;Fakten&#8220; und viel erhobenem Zeigefinger versucht man die Leserschaft auf die gew\u00c3\u00bcnschte Antiwaffenmentalit\u00c3\u00a4t hin zu konditionieren.<\/p>\n<blockquote><p>Georg Zakrajsek ist ein umtriebiger Mann. Neben seinem Job als Notar fungiert er als Chef der selbst ernannten Waffenlobby \u00e2\u20ac\u017eInteressengemeinschaft Liberales Waffenrecht in \u00c3\u2013sterreich\u00e2\u20ac\u0153 (IW\u00c3\u2013), gibt viertelj\u00c3\u00a4hrlich deren Mitgliedszeitschrift heraus und f\u00c3\u00bchrt ein Internet-Tagebuch. W\u00c3\u00a4hrend Zakrajsek seine Zeitungsartikel in reinstem Juristendeutsch verfasst, bricht in seinem Blog \u00e2\u20ac\u017eQuersch\u00c3\u00bcsse\u00e2\u20ac\u0153 aus ihm heraus, was er wirklich denkt: \u00e2\u20ac\u017eVolk ans Gewehr!\u00e2\u20ac\u0153 hei\u00c3\u0178t es da und: \u00e2\u20ac\u017eTrotteln vor den Vorhang!\u00e2\u20ac\u0153 Damit meint er Journalisten, die nach dem Amoklauf in der US-Stadt Newtown sch\u00c3\u00a4rfere Gesetze forderten.<\/p><\/blockquote>\n<p>So etwas aber auch. Journalisten, die nach dem Amoklauf eines Irren mit von der ermordeten Mutter gestohlenen Waffen reflexartig sch\u00c3\u00a4rfere Gesetze fordern, darf man nat\u00c3\u00bcrlich nicht als &#8222;Trottel&#8220; bezeichnen. Das geht wirklich nicht. &#8222;Volltrottel&#8220; w\u00c3\u00a4re die passendere Wortwahl gewesen.<\/p>\n<p>Wobei das nat\u00c3\u00bcrlich auch nicht stimmt. Journalisten, die ihren Job ernst nehmen, berichten Fakten und \u00c3\u00bcberlassen es ihren Lesern, sich eine Meinung zu bilden. Die Volltrottel, die sich in Wirklichkeit als Tugendw\u00c3\u00a4chter aufspielen und sich h\u00c3\u00b6chstens selbst als &#8222;Journalisten&#8220; bezeichnen, sollten sich lieber Neo-Jakobiner nennen. Das tr\u00c3\u00a4fe die Sache schon eher. Doch zur\u00c3\u00bcck zum &#8222;profil&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Viel zu lobbyieren gibt es nicht f\u00c3\u00bcr den \u00c3\u00b6sterreichischen Waffenfreund. Schon lange mache die EU die Regeln, so Zakrajsek. Die Richtlinie aus dem Jahr 2008, derentwegen J\u00c3\u00a4ger, Sch\u00c3\u00bctzen und Sammler zur europaweiten Waffenregistrierung antreten m\u00c3\u00bcssen, gilt hierzulande seit vergangenem Oktober. Dagegen seien sowohl die fr\u00c3\u00bchere Innenministerin Maria Fekter (\u00c3\u2013VP) als auch er machtlos gewesen. Zakrajsek d\u00c3\u00bcrfte es gar nicht probiert haben. An Interventionen der IW\u00c3\u2013 kann man sich in EU-Kreisen nicht erinnern \u00e2\u20ac\u201c sehr wohl aber an die \u00c3\u00b6sterreichischen Jagdverb\u00c3\u00a4nde, die w\u00c3\u00a4hrend der Verhandlungen 2008 in Br\u00c3\u00bcssel aufmarschierten. <\/p><\/blockquote>\n<p>Irgendwie hatte ich das, zwar dunkel, aber anders in Erinnerung. Schnell unter den Suchbegriffen &#8222;IW\u00c3\u2013 Kallenbach&#8220; gegooglet und einer der ersten Treffer verweist auf die Ausgabe &#8222;<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/iwoe.org\/img\/Endfassung_4-07end.pdf\">4\/07 Winter 2007 Folge 42<\/a>&#8220; der IW\u00c3\u2013-Verbandszeitschrift. Und da steht allerhand zu den Aktivit\u00c3\u00a4ten drin, die die IW\u00c3\u2013 hinsichtlich der EU-Waffenrichtlinie seinerzeit gestartet hat. Auch sonst ist die Publikation \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst lesenswert und viele Themen aktueller denn je, aber das nur am Rande.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nJedenfalls, zur\u00c3\u00bcck zur profil-Neurose, l\u00c3\u00a4ppische sechs Jahre sp\u00c3\u00a4ter k\u00c3\u00b6nnen sich die EU-B\u00c3\u00bcrokraten schon nicht mehr daran erinnern, mit wem sie alles \u00c3\u00bcber was gesprochen haben. Wo sich doch die EU sonst an alles erinnert, wenn man von solchen Lappalien wie den einstmals beschlossenen Euro-Stabilit\u00c3\u00a4tskriterien und anderer, v\u00c3\u00b6llig unbedeutender Sachen absieht.<\/p>\n<p>Da trifft es sich gut, dass ein vermeintlicher Vertreter von Kriminalit\u00c3\u00a4tsopfern, diese Funktion hat der &#8222;Wei\u00c3\u0178e Ring&#8220; jedenfalls in Deutschland, den T\u00c3\u00a4tern das Wort redet:<\/p>\n<blockquote><p>Udo Jesionek, Pr\u00c3\u00a4sident des Weissen Rings, findet es absurd, sich in einem so sicheren Land wie \u00c3\u2013sterreich selbst verteidigen zu wollen. Eine Waffe erh\u00c3\u00b6he automatisch das Risiko, diese auch zu benutzen. \u00e2\u20ac\u017eDen Abzug einer Pistole zu dr\u00c3\u00bccken ist leichter, als mit einem Messer zuzustechen oder jemanden zu w\u00c3\u00bcrgen\u00e2\u20ac\u0153, sagt Jesionek. <\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, zumindest in Deutschland ist das Tatmittel Nummer eins mit weitem Abstand das gemeine, hundsgew\u00c3\u00b6hnliche, stinknormale Messer. Ob die unz\u00c3\u00a4hligen Opfer von Messerstechern dem Herrn Jesionek zustimmen w\u00c3\u00bcrden, dass  man leichter den Abzug dr\u00c3\u00bcckt, als zusticht? <\/p>\n<p>Aber wo k\u00c3\u00a4men wir hin, wenn Opfer in der Lage w\u00c3\u00a4ren, sich zu verteidigen. Das geht doch nicht, dem armen Verbrecher k\u00c3\u00b6nnte ja ein Leid geschehen.<\/p>\n<blockquote><p>Auch viele Studien widerlegen die Selbstverteidigungstheorie. Nach einem Amoklauf in Mauterndorf im Lungau, bei dem ein Mechaniker sechs Menschen t\u00c3\u00b6tete und anschlie\u00c3\u0178end sich selbst, wurden in \u00c3\u2013sterreich 1997 die Waffengesetze versch\u00c3\u00a4rft. Seither ging die Zahl der Waffensuizide um 26 Prozent, jene der Morde mit Schusswaffen gar um 67 Prozent zur\u00c3\u00bcck. <\/p><\/blockquote>\n<p>Und, wo sind diese vielen Studien? Wer hat sie f\u00c3\u00bcr wen erstellt, wer hat wen daf\u00c3\u00bcr bezahlt?<\/p>\n<p>Wie hat sich die Gesamtzahl der Suizide entwickelt? Gab es weniger Selbstmorde oder blieb die Zahl gleich und es gab nur eine Verschiebung von einer zur anderen Selbstt\u00c3\u00b6tungsart?<\/p>\n<p>Ein in den Raum gestellter Prozentwert hat doch \u00c3\u00bcberhaupt keine Aussagekraft, wenn die absoluten Zahlen, die dazu in Relation gesehen werden m\u00c3\u00bcssen, nicht genannt werden. Gleiches gilt f\u00c3\u00bcr die Schusswaffenmorde. <\/p>\n<p>Dem Opfer ist das Tatmittel ohnehin wurscht, toter als tot geht nun mal nicht.<\/p>\n<blockquote><p>Die Kriminalit\u00c3\u00a4tsraten l\u00c3\u00b6sen trotzdem Beklemmung aus. 947-mal musste die Polizei 2011 wegen Delikten ausr\u00c3\u00bccken, bei denen Schusswaffen im Spiel waren. 17 Menschen wurden erschossen, 550 mit einer Schusswaffe bedroht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch hier das gleiche Spiel: Dem Leser werden ein paar Zahlen hingeschmissen, die Bezugsgr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178en bleibt man schuldig. Wie viele Menschen wurden insgeamt Opfer von T\u00c3\u00b6tungsdelikten, wie hoch war der Anteil illegaler Waffen, wie oft konnte sich rechtstreue B\u00c3\u00bcrger dank einer Schusswaffe gegen einen rechtswidrigen Angriff erfolgreich zur Wehr setzen &#8211; auch hier schweigt man.<\/p>\n<p>Etwas Gutes hat so ein Artikel aber: Er zeigt uns deutlich vor Augen, dass die &#8222;Waffenlobby&#8220; in \u00c3\u2013sterreich, vor allem aber auch in Deutschand, noch viel zu wenig die betroffenen J\u00c3\u00a4ger, Sch\u00c3\u00bctzen, Sammler und sonst vom Waffenrecht betroffenen Bev\u00c3\u00b6lkerungsgruppen mobilisieren konnte. <\/p>\n<p>Wenn die im Artikel genannten Zahlen zutreffen, geh\u00c3\u00b6ren der IW\u00c3\u2013 4.000 &#8211; 5.000 Mitglieder an. Demgegen\u00c3\u00bcber hat in Deutschland das Forum Waffenrecht nur ca. 30.000 Mitglieder, Pro Legal d\u00c3\u00bcrfte sich bei etwa 6.000 bewegen. Setzt man die Einwohnerzahlen von Deutschland und \u00c3\u2013sterreich ins Verh\u00c3\u00a4ltnis, m\u00c3\u00bcssten in Deutschland mindestens 60.000 Waffenbesitzer in einer Lobbyorganisation engagiert sein, um wenigstens die Quote unseres Nachbarlands zu erreichen.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Die &#8222;Gr\u00c3\u00bcnen&#8220; in \u00c3\u2013sterreich verf\u00c3\u00bcgen laut Wikipedia \u00c3\u00bcber <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Gr%C3%BCnen_%E2%80%93_Die_Gr%C3%BCne_Alternative\">4.600<\/a> Mitglieder, die deutschen Gr\u00c3\u00bcnen kommen auf ca. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCndnis_90\/Die_Gr%C3%BCnen\">60.000<\/a>. <\/p>\n<p>Und diese 60.000 Hanseln dominieren in Deutschland seit Jahren das politische Geschehen und geben von Atom-Ausstieg \u00c3\u00bcber Gender-Mainstreaming bis zur Volksentwaffnung die Themen und Ziele vor.<\/p>\n<p>Kaum auszudenken, was wir bewegen k\u00c3\u00b6nnten, wenn es uns gel\u00c3\u00a4nge, unser Potenzial auch nur zu sechs oder acht Prozent zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Links zum Thema:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dagarser.wordpress.com\/\">Dagarser &#8211; Weblog von Richard Temple-Murray<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.querschuesse.at\/\">Quersch\u00c3\u00bcsse &#8211; Weblog von Dr. Georg Zakrajsek<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.iwoe.at\/\">IW\u00c3\u2013 &#8211; Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in \u00c3\u2013sterreich<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nur ein sehr schwacher Trost f\u00c3\u00bcr einen Freizeit-Waffenlobbyisten aus Deutschland, dass unsere Freunde in \u00c3\u2013sterreich nicht minder unter hoplophoben Qualit\u00c3\u00a4tsjournalistInnen zu leiden haben. 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