{"id":717,"date":"2015-03-31T13:10:01","date_gmt":"2015-03-31T12:10:01","guid":{"rendered":"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=717"},"modified":"2015-03-31T13:10:01","modified_gmt":"2015-03-31T12:10:01","slug":"bild-boykott-couchkartoffels-heldenhafte-zivilcourage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/meinungsterror.de\/?p=717","title":{"rendered":"Bild-Boykott: Couchkartoffels heldenhafte Zivilcourage"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/meinungsterror.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/0u_2015_mt_bildboykott_b.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/meinungsterror.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/0u_2015_mt_bildboykott_b.gif\" alt=\"0u_2015_mt_bildboykott_b\" width=\"450\" height=\"298\" class=\"aligncenter size-full wp-image-721\" \/><\/a><\/p>\n<p>Meine Einschulung liegt nun schon ein paar Jahrzehnte zur\u00c3\u00bcck. Der Schulweg f\u00c3\u00bchrte durchs Dorf und vorbei an den beiden Tante-Emma-L\u00c3\u00a4den. Sowohl vor dem \u00e2\u20ac\u017eEDEKA\u00e2\u20ac\u0153 als auch der \u00e2\u20ac\u017eVIVO\u00e2\u20ac\u0153-Konkurrenz warben Aufsteller und F\u00c3\u00a4hnchen f\u00c3\u00bcr die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-Zeitung. Das waren Ausl\u00c3\u00b6ser f\u00c3\u00bcr rezitierte Spr\u00c3\u00bcche wie \u00e2\u20ac\u017eBild war dabei \u00e2\u20ac\u201c Bild sprach mit der Leiche\u00e2\u20ac\u0153, die man als Zweitkl\u00c3\u00a4ssler furchtbar toll fand und die man zu Hause, bei Nachbarn oder Verwandten aufgeschnappt hatte. Wenn ich mich richtig erinnere, kostete ein \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-Exemplar damals 30 Pfennig und genau wie heute hat kaum jemand zugegeben, das vermutlich damals wie heute meistverkaufte t\u00c3\u00a4glich erscheinende Presseerzeugnis zu kaufen.<\/p>\n<p>40 Jahre sp\u00c3\u00a4ter, im Jahr 2015, k\u00c3\u00b6nnte man meinen, dass es eine brandneue Erkenntnis ist, dass die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 ein genau so rei\u00c3\u0178erisches wie hetzerisches K\u00c3\u00a4seblatt ist, das schnell mal die Realit\u00c3\u00a4t an die eigenen Schlagzeilen anpasst und Einzelpersonen, Gruppen oder auch ganze Nationen gerne mal diffamiert. So neu scheint diese Erkenntnis f\u00c3\u00bcr manche zu sein, dass sich nun ein zivilcouragierter, heldenhafter Kiosk-Besitzer nach dem anderen berufen f\u00c3\u00bchlt, die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 aus seinem Verkaufsstand zu verbannen und es dem Axel-Springer-Verlag mal so richtig zu zeigen. Und das Ganze nat\u00c3\u00bcrlich, ganz selbstslos, \u00c3\u00bcber soziale Netzwerke verbreitet und sich so der Sympathie in Form zahlreicher \u00e2\u20ac\u017eLikes\u00e2\u20ac\u0153 der bl\u00c3\u00b6kenden Masse sicher sein kann. <\/p>\n<p>Gerade so, als ob es besonders mutig w\u00c3\u00a4re, gegen die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 zu sein und man mit der Abneigung gegen dieses Pamphlet ganz alleine gegen Heerscharen fanatischer, bekennender \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-K\u00c3\u00a4ufer st\u00c3\u00a4nde. Obwohl es l\u00c3\u00a4ngst ein auf \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-Bashing basierendes, florierendes Gesch\u00c3\u00a4ftsmodell gibt und einige der sch\u00c3\u00a4rfsten Kritiker nur deshalb so gut im Gesch\u00c3\u00a4ft sind und Geld verdienen, weil ihnen die &#8222;Bild&#8220; jeden Tag die Munition liefert, die sie zu deren Bek\u00c3\u00a4mpfung brauchen. Ohne &#8222;Bild&#8220; w\u00c3\u00a4re mancher &#8222;Bild-Kritiker&#8220; schlichtweg arbeitslos.<\/p>\n<p>Doch zur\u00c3\u00bcck zu den sozialen Netzwerken. Nat\u00c3\u00bcrlich ist es genau umgekehrt. Wer es wagt, den Verkaufsboykott nicht gut zu hei\u00c3\u0178en, der ist von der Schafherde zum Abschuss freigegeben. Feuer frei auf den vermeintlichen \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-Leser, an dem sich die Inhaber der korrekten Gesinnung gen\u00c3\u00bcsslich abarbeiten k\u00c3\u00b6nnen. Die Gleichen, sonst immer \u00e2\u20ac\u017eVielfalt\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eToleranz\u00e2\u20ac\u0153 predigen, verabscheuen schon den Gedanken an \u00e2\u20ac\u017eVielfalt\u00e2\u20ac\u0153 und \u00e2\u20ac\u017eToleranz\u00e2\u20ac\u0153, zumindest wenn es um missliebige Presseerzeugnisse geht. Der Typ hinterm Verkaufstresen als Richter \u00c3\u00bcber gut und b\u00c3\u00b6se, als selbst ernannte Zensurbeh\u00c3\u00b6rde, Inquisitor und Verbrauchersch\u00c3\u00bctzer in Personalunion.<\/p>\n<p>Erschreckend ist die schiere Masse der Sympathisanten solcher Bevormunder, die diesen billigen Aktionismus ohne geringstes pers\u00c3\u00b6nliches Risiko \u00c3\u00bcberschw\u00c3\u00a4nglich feiern und damit ihre Sehnsucht nach der Supernanny, die ihnen selbst die Entscheidung, welche Zeitung man gef\u00c3\u00a4lligst kaufen darf, abnimmt.<\/p>\n<p>Das Sch\u00c3\u00b6ne an einer zumindest halbwegs freien Marktwirtschaft wie unserer ist, dass der Verbraucher entscheiden kann, ob er die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 durch deren Kauf unterst\u00c3\u00bctzt oder eben nicht. Niemand wird gezwungen, die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 zu kaufen und \u00e2\u20ac\u017etaz\u00e2\u20ac\u0153, \u00e2\u20ac\u017eNeues Deutschland\u00e2\u20ac\u0153 oder \u00e2\u20ac\u017eJunge Freiheit\u00e2\u20ac\u0153 zu ignorieren. Oder eben umgekehrt. <\/p>\n<p>Der Konsument ist m\u00c3\u00bcndig genug, diese Entscheidung selbst zu treffen. Ich respektiere die pers\u00c3\u00b6nlichen Pr\u00c3\u00a4ferenzen und politischen \u00c3\u0153berzeugungen jedes Menschen. Dazu geh\u00c3\u00b6rt aber auch die Entscheidungsfreiheit, etwas zu tun oder es zu lassen. Wenn ein Kioskbesitzer meint, diese Entscheidung f\u00c3\u00bcr alle seine Kunde im Vorfeld treffen zu m\u00c3\u00bcssen, dann ist das ein h\u00c3\u00b6chst unprofessionelles Verhalten. Pers\u00c3\u00b6nliche Vorlieben, politische Ansichten oder religi\u00c3\u00b6se \u00c3\u0153berzeugungen sind Privatsache und  vom Dienstlichen zu trennen. Wer damit nicht klar kommt, soll sich einen anderen Job suchen, wo er keine Gewissenbisse erleiden muss, wenn er einen Kunden bedient und dessen Bed\u00c3\u00bcrfnisse befriedigt.<\/p>\n<p>Sonst besteht die Gefahr, dass heute der \u00e2\u20ac\u017eEmp\u00c3\u00b6rte\u00e2\u20ac\u0153 die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 aus dem Regal nimmt, morgen der Hom\u00c3\u00b6opathiefan die \u00e2\u20ac\u017eMedical Tribune\u00e2\u20ac\u0153 und \u00c3\u00bcbermorgen trifft es dann \u00e2\u20ac\u017eAuto Motor Sport\u00e2\u20ac\u0153, weil die f\u00c3\u00bchrerscheinlose \u00c3\u2013kofetischistin aus der Sp\u00c3\u00a4tschicht nur Fahrr\u00c3\u00a4der gut findet.<\/p>\n<p>In den meisten L\u00c3\u00a4den, die Zeitungen verkaufen, werden auch Spirituosen und Tabakwaren feil geboten.  Wenn sich da manche Besitzer schon so ums geistige Wohlbefinden ihrer Kunde sorgen, dass sie diese vor den gar schr\u00c3\u00b6cklichen \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-Erg\u00c3\u00bcssen bewahren m\u00c3\u00bcssen \u00e2\u20ac\u201c warum nicht auch vor tats\u00c3\u00a4chlichen Gefahren f\u00c3\u00bcr Lunge, Leber &#038; Leben? Vom \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-lesen alleine hat wohl noch niemand die Kontrolle \u00c3\u00bcber seine Auto verloren und unbeteiligte Dritte tot gefahren.<\/p>\n<p>F\u00c3\u00bcr einen halbwegs freiheitlich denkenden Menschen ist der Gedanke an die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 schlimm. Noch schlimmer ist aber der Gedanke daran, dass sich manche Mitmenschen anma\u00c3\u0178en dar\u00c3\u00bcber entscheiden zu m\u00c3\u00bcssen, ob man \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153 \u00c3\u00bcberhaupt lesen darf. <\/p>\n<p>Man muss &#8222;Bild&#8220; nicht m\u00c3\u00b6gen, man muss sie auch nicht kaufen. <\/p>\n<p>Aber diese Entscheidung soll, bittesch\u00c3\u00b6n, jeder f\u00c3\u00bcr sich selbst treffen d\u00c3\u00bcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Einschulung liegt nun schon ein paar Jahrzehnte zur\u00c3\u00bcck. Der Schulweg f\u00c3\u00bchrte durchs Dorf und vorbei an den beiden Tante-Emma-L\u00c3\u00a4den. Sowohl vor dem \u00e2\u20ac\u017eEDEKA\u00e2\u20ac\u0153 als auch der \u00e2\u20ac\u017eVIVO\u00e2\u20ac\u0153-Konkurrenz warben Aufsteller und F\u00c3\u00a4hnchen f\u00c3\u00bcr die \u00e2\u20ac\u017eBild\u00e2\u20ac\u0153-Zeitung. 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