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Vierfach sichern und obendrein noch verbieten – heute schon geschobert?

Von Benedikt Krainz | 22.November 2012

WAZ-Screenshot

Mehr Sicherheit geht nun wirklich nicht:

Mechanisch sichern, elektronisch sichern, biometrisch sichern, zentral verwahren und noch verbieten. “Der Westen” berichtet:

In einem Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (Dienstagausgabe) sagte (…) Hardy Schober: “Sportwaffen müssen nicht nur mechanisch, sondern auch elektronisch und biometrisch gesichert werden. Zudem dürfen die Waffen nur dort gelagert werden, wo auch der Sport ausgeübt wird.”

Super Idee, zusammen mit dem Nationalen Waffenregister lässt sich dadurch die missbräuchliche Verwendung legal besessener, großkalibriger Schusswaffen von null-komma-nochwas auf etwas-weniger-als-null-komma-nochwas Prozent senken.

Wenn das kein durchschlagender Erfolg ist, der auch aberwitzigste, paranoide Maßnahmen rechtfertigt!

Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, großkalibrige Kurz-Waffen wieder zu verbieten. “So viel Schusskraft braucht kein Privatmensch”, sagte er.

Da fragt man sich natürlich, was meint Herr Schober mit “wieder”?

Verboten waren solche Waffen in Deutschland lediglich im Rahmen der vollständigen Waffenverbote unmittelbar nach den verlorenen Weltkriegen. Und natürlich in der DDR.

Aber bitte alles schön der Reihenfolge nach:

Wichtig ist natürlich, dass zuerst die biometrische Sicherung kommt, schließlich scheint der Herr Schober bei einer auf entsprechende Gerätschaften spezialisierten Firma da noch gewissermaßen in einer Art “Bringschuld” zu stehen.

Zu dieser Zeit stand das Aktionsbündnis bereits in engem Kontakt zur Geschäftsleitung dieser Firma. Einer der Geschäftsführer gehörte schließlich sogar zu den Stiftungsgründern. In einem autorisierten Interview bestätigte er ausdrücklich, dass seine hiermit verbundene Spende von immerhin € 10.000,- ausschließlich erfolgte, um Einfluss auf die politischen Forderungen des Aktionsbündnisses zum Waffenrecht zu nehmen. Mehr noch, in offenen Briefen an die Politik bewarb der Vorstand des Aktionsbündnisses die Produkte dieser Firma in Folge ausdrücklich.

Da wäre es fürs Geschäft natürlich höchst abträglich, wenn die biometrisch zu sichernden Gegenstände zu früh verboten werden. Schließlich geht es um Millionen registrierter und damit für eine verpflichtende biometrische Sicherung in Frage kommende Waffen.

Bei angenommenen 100 – 200 Euro pro Sperrelement, je nach Waffenart und Kaliber, ein Milliardengeschäft.

Nur schade, dass man sich mit Krümeln begnügen muss, denn

Experten vermuten Millionen illegaler Waffen in NRW:

Essen. Das nationale Waffenregister kommt ab Januar 2013. Doch die zentrale Erfassung genehmigungspflichtiger Waffen dürfte nur einen winzigen Teil des Problems lösen. Denn allein in NRW existiert ein Arsenal von Millionen illegal erworbenen Pistolen und Gewehren. Die Polizei fordert eine „Abrüstung“.

In Duisburg-Hochfeld überfielen vor wenigen Tagen Unbekannte ein Café , zerstören die Einrichtung und fesseln den Wirt. Später fielen Schüsse auf der Straße. Die Polizei vermutet rivalisierende Banden hinter der Tat. Im Oktober schossen Räuber auf Mitarbeiterinnen eines Juweliergeschäftes in Wuppertal. Sie töten eine Frau und verletzten eine andere schwer. Zwei aktuelle Beispiele für ein Riesen-Problem: In NRW kursieren Millionen illegale Schusswaffen. Kaum ein Experte traut es sich zu, eine konkrete Zahl zu nennen. Die Rede ist von „Unmengen“. Und davon, dass es fast schon kinderleicht sei, sich eine Waffe mit Munition zu besorgen.

Willkommen in der Realität, in der eben nicht Jäger, Sportschützen oder Waffensammler als Gewalttäter regelmäßig in Erscheinung treten, sondern hundsgewöhnliche Kriminelle, die ihre Waffen weder legal erwerben, geschweige denn daran denken, diese biometrisch zu sichern und zentral zu verwahren.

In der Realität wird sich auch kein zum Amoklauf entschlossener Sportschütze von einem Umweg abhalten lassen, um zuerst seine zentral verwahrte Waffe abzuholen. Im Gegenteil, bei der Gelegenheit kann er gleich aus dem Waffenkammerwart Opfer Nummer eins machen und anschließend aus dem Vollen schöpfen.

Die Schaffung von gut sortierten Waffendepots, weitab vom nächsten Polizeiposten, dürfte sehr viele Befürworter finden. Leider fast ausnahmslos in den Reihen von Schwerverbrechern, denen sich hier ein äußerst lukratives “Betätigungsfeld” eröffnen würde.

So kommt es eben, dass echte Fachleute, die ihre Einschätzungen an Hand nüchterner Zahlen und langjähriger Erfahrung und nicht auf Grund persönlicher Betroffenheit, Ideologie oder möglichen Provisionszahlungen abgeben, zu ganz anderen Erkenntnissen kommen, als von den Waffenverbotsfanatikern gewünscht:

Weit über 90 Prozent der Straftaten, in denen Schusswaffen eine Rolle spielen, werden mit illegalen Schießeisen verübt. Manche Experten vermuten sogar, dass es 97 Prozent sind.

Vielleicht gibt es ja schon einen Begriff, der “fortwährende, vollständige Realitätsverweigerung in Kombination mit der Aufstellung nicht durchdachter, praxisferner Forderungen” in einem Wort ausdrückt.

Falls nicht, wie wär es mit “schobern”?

Topics: Lug und Trug, Satire, Waffenrecht, Weltverbesserer | 11 Kommentare »

11 Kommentare to “Vierfach sichern und obendrein noch verbieten – heute schon geschobert?”

  1. pgj meint:
    22.November 2012 at 13:16

    Mit verlaub gesagt, der Herr Schober müste mal zum auswuchten. Der läuft doch unrund.
    Völlig fern der Realität.
    Aber vielleicht ist der am Umsatz von Armatix beteiligt? Wer weiß.
    pgj

  2. Wanda meint:
    22.November 2012 at 13:40

    Schlimm das solchen Pseudoexperten und Fanatikern immer und immer wieder eine scheinbar seriöse Bühne geboten wird.

  3. AxelCGN meint:
    22.November 2012 at 13:51

    Benedikt, wie immer brilliant analysiert und geschrieben…

  4. wurst meint:
    22.November 2012 at 13:59

    Schaut euch den Film Minority Report an. Da kümmert sich eine Behörde mithilfe von Orakeln um Verbrechen in der Zukunft und verhindert sie. Daran könnte man mal arbeiten.

  5. Dirk meint:
    22.November 2012 at 14:49

    Wer nimmt den Hampelmann eigentlich noch ernst? Schober sollte besser in psychologische Behandlung und seine posttraumatische Belastungsstörung verarbeiten, statt alle mit seinen wahnwitzigen “Expertenratschlägen” zu belästigen. Schober ist kein Experte, er missbraucht den Tod seiner Tochter um Kritik im Vorfeld zu unterdrücken – das ist pervers und armselig, aber kein fundiertes Wachwissen das zu einer objektiven Beurteilung der aktuellen Lage ausreicht.

  6. Dirk meint:
    22.November 2012 at 14:50

    *Fachwissen

  7. Jean meint:
    23.November 2012 at 09:26

    Herr Schobert ist sowas wie der Knöllchen-Horst…
    das Gesetz in die eigene Hand nehmen, zumindest versuchen..

  8. xy meint:
    23.November 2012 at 10:07

    Man sollte mal ein Psychologisches Glaubwürdigkeits Gutachten von Herrn Schober ,Meyer & Co anfordern,da kommt dann ein bestimmt sehr interessantes Ergebnis raus…:)))

  9. Jepp67 meint:
    23.November 2012 at 13:44

    Die Frage ist doch:
    rollt sich Herr Schober beim Sex auch vier Kondome über?

  10. Aled meint:
    24.November 2012 at 14:38

    Schober hat sich mental und existentiell in eine Lebenssituation realitätsferner Befangenheit verrannt, wo der Kreuzzug gegen den legalen Waffenbesitz als einziger Ausweg verbleibt. Der sinnlose Mord an seiner Tochter muss kompensatorisch mit einem universellen Sinn erfüllt werden, da er sonst seine Lebenssituation nicht aushält. Sein Kreuzzug mutiert zum zwangsneurotischen Reflex des Unbedingten, der die letzte Stütze der Aufrechterhaltung des eigenen Lebenssinns bildet.

    Aber nicht nur. Darüber hinaus erfüllt er offenbar auch die Funktion, dem wirtschaftlichen Selbsterhalt zu dienen. Der Weg das Ziel. Wie auch im realen Leben, lautet auch im irrealen die Reihenfolge: Erst kommt das Geschäft, dann die Moral. Eine sozialisierte Moral, die als eigenes Leidensritual auf möglichst viele Personen der Öffentlichkeit verteilt und dessen vermeintliche (Er)lösung projektiert wird. Kommuniziert durch Forderungen nach allgemeingültigen Einschränkungen und Verboten. Gut für die verletzte Seele und gut fürs Geschäft.

    Die rechtsstaatliche Frage nach Erforderlichkeit, Tauglichkeit und Verhältnismäßigkeit eines privaten Waffenverbots stellt sich überhaupt nicht. Vielmehr wird sie komplett ausgeblendet, weil jede argumentative Konfrontation mit ihr den eigenen Leidensdruck wieder erhöhen und das Sendungsbewusstsein empfindlich beeinträchtigen würde.

    Nicht aufgrund seines persönlichen Schicksalsschlags, sondern ausschließlich wegen seines realitätsfernen Verhaltens gegenüber den rechtstreuen, legalen Waffenbesitzern wirkt sein Verhalten auf mich armselig. Und das meine ich keineswegs beleidigend oder herabsetzend, sondern wortwörtlich.

  11. rider650 meint:
    24.November 2012 at 17:00

    Der Mann würde nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, wenn die Leute die die Meinungshoheit innehaben, nicht seiner Meinung wären. Die Abschaffung des privaten Waffenbesitzes ist nur ein kleiner Baustein bei der Zerstörung der westlichen Industrieländer und ihrer freiheitlichen Grundordnung.

Kommentare

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